Das Wichtigste in Kürze · 2026-09-27
- Handelsmarken in Drogerie- und Apothekensortimenten starten meist bei 1.000 bis 2.500 Stück je SKU.
- Für eine halb eigene Formel mit vier Artikeln sind erste Investitionen von 8.000 bis 20.000 € realistisch.
- Eine verantwortliche Person in der EU ist Voraussetzung, auch wenn Sie nur für eine Drogerie-Kette produzieren lassen.
- Eine Apotheke darf nach der Apothekenbetriebsordnung eigene Waren führen – die fachliche Verantwortung trägt der Apothekenleiter, nicht der Lieferant.
- Werbeaussagen dürfen keine Heilwirkung behaupten; im Apothekenkanal werden sie zusätzlich streng gelesen.
- Eine Natural-Linie mit BDIH oder NaTrue verlangt 1.500 bis 3.000 Stück je SKU und eine zertifizierbare Rezeptur.
Zwei Kanäle, zwei Logiken
Eine europäische Drogeriekette und eine Apothekengemeinschaft bewerten dieselbe Eigenmarke mit völlig verschiedenen Maßstäben. Der Handel schaut auf Abverkauf pro Platz, Marge und Nachorder-Fähigkeit, die Apotheke auf Beratungstauglichkeit, Wirkstoffgehalt und Verlässlichkeit im Gespräch mit der Kundschaft. Wer nur eine der Perspektiven bedient, verliert in der anderen.
Der deutsche Sonderfall: In Apotheken dürfen eigene Waren geführt werden, aber die Verantwortung liegt beim Apothekenbetrieb. Das erklärt, weshalb Apotheken-Eigenmarken oft konservativer starten – weniger Claims, mehr Nachweise, kürzere Sortimentszyklen.
Was der Handel vom Lieferanten verlangt
Die Checkliste eines Einkaufs ist kurz und wird nie vollständig veröffentlicht. Sie entscheidet über Listing oder Nicht-Listing, und der häufigste Abbruchgrund ist nicht der Preis, sondern eine fehlende Angabe im Angebot.
Die letzte Zeile ist der eigentliche Filter: Wer Chargenrückverfolgung und Rückruf nicht innerhalb von Stunden liefern kann, bekommt keine zweite Saison.
- Platzverfügbarkeit im Ranking und die Frage, welche Kategorie Sie ersetzen
- Preispunkt: Handelsmarke liegt bewusst unter dem Markenartikel, aber über der Billigmarke
- Nachorder-Fähigkeit: Wiederholbarkeit der Charge innerhalb von vier Wochen
- Dokumentationslage: Produktinformationsdatei, CPSR, CPNP-Meldung vollständig und auf Deutsch
- Rückrufbereitschaft mit Chargenrückverfolgung, nachweisbar in Stunden statt in Tagen
Kalkulation: Wie ein Preis entsteht, der trägt
Ein häufiger Fehler ist die Preisbildung am Regalpreis statt am Kostenblock. Die Folge ist eine Marge, die im Idealfall trägt und im Restpostenfall nicht. Wer die Eigenmarke als Handelsprojekt denkt statt als Marke, rechnet die zweite Saison von Anfang an ein.
Die Zutaten sind überschaubar: Rohstoff und Wirkstoff, Verpackung und Druck mit Mindestbestellung, Herstellung, Prüfung und Zertifizierung, Meldung und Compliance-Betreuung. Der Anteil der Prüf- und Meldekosten sinkt erst ab etwa 2.000 Stück je SKU spürbar.
- Rohstoff und Wirksubstanz je nach Konzentration im kleinen Prozentbereich
- Verpackung mit Eigenprint, doppelt so teuer wie Standardware bei kleinen Auflagen
- Herstellung nach ISO 22716, inklusive Chargendokumentation und Analysenzertifikat
- Prüfung und Zertifizierung, bei Natural-Varianten BDIH oder NaTrue
- Meldepflichten und Betreuung der Produktinformationsdatei über die gesamte Lebensdauer
Vier Phasen bis zur ersten Eigenmarke im Regal
Von der Idee bis zur ersten Lieferung sind vier Phasen zu durchlaufen. Sie sind in Deutschland unabhängig davon zu durchlaufen, ob Sie eine Drogerie in Deutschland oder einen Apothekenbetrieb beliefern – die Reihenfolge ist immer dieselbe.
Der Tipp, der am meisten Zeit spart: Prüfen und Melden parallel zur Verpackungsentwicklung, nicht nacheinander. Etikett und PAO-Symbol bestimmen die Verpackung, nicht umgekehrt.
- Sortimentswahl: eine Kategorie mit klarer Lücke im Ranking statt fünf Spitzenartikeln
- Rezepturstufe festlegen: Weißlackierung oder halb eigene Basis mit eigener Wirksubstanz
- Angebotsvergleich in Stück, inklusive Prüf-, Meld- und Zertifizierungskosten
- Compliance-Paket und Vertrag, danach Produktion und Auslieferung
Was die zweite Saison entscheidet
Die erste Saison ist das Versprechen, die zweite ist der Beweis. Bei einer europäischen Drogeriekette überzeugt danach nicht der Preis, sondern die Wiederholbarkeit: gleiche Charge, gleiche Qualität, gleicher Preis, schnelle Nachorder. Genau dafür ist die Produktinformationsdatei da.
Und für Apotheken bleibt die Beratung der Maßstab. Eine Eigenmarke, die im Fachgespräch nicht erklärt werden kann, verliert dort die Bezugsberechtigung und die Regalfläche – unabhängig von ihrer Marge.
„Im Handel gewinnt, wer die Charge wiederholen kann. In der Apotheke gewinnt, wer sie erklären kann.“
Frequently Asked Questions
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