Key Facts auf einen Blick · 2026-09-27
- In Deutschland sind BDIH und NaTrue die am häufigsten nachgefragten Naturkosmetik-Siegel; deutsche Apotheken und Drogerien prüfen beim Einkauf bevorzugt diese beiden nach.
- Ecocert und COSMOS sind in Frankreich und im südlichen Europa verbreiteter als in Deutschland, wo das französische Siegel weniger bekannt ist.
- In Frankreich begrenzt das AGEC-Gesetz zusammen mit den Etikettierungsvorschriften die Verwendung des Wortes Bio; eine Zertifizierung allein berechtigt nicht zur Nutzung des Begriffs.
- Seit dem Brexit gilt im Vereinigten Königreich ein eigenständiges System mit eigener Kosmetik-Verordnung, SCPN-Meldung und einer britischen verantwortlichen Person.
- In Korea werden pflanzliche Kosmetikprodukte häufig über Vegan-Zertifizierungen geprüft, die von Stellen wie der Vegan Society Korea vergeben werden.
- Für Indonesien und den Golfmarkt sind BPOM-Halal-Zertifizierungen nach dem BPJPH-System sowie die Halal-Anforderungen der GCC- und SASO-Regelungen relevant.
- Zertifizierte Naturkosmetik verlangt in der Auftragsfertigung meist Mindestmengen von 1.500 bis 3.000 Einheiten, weil Rohstoffauflagen und Prüfrhythmus mitlaufen.
Deutschland: BDIH und NaTrue sind der erste Filter
Wer Naturkosmetik nach Deutschland bringt, prüft zuerst die zwei bekanntesten Siegel. BDIH ist ist die älteste deutsche Auszeichnung für zertifizierte Naturkosmetik und vor allem im Biosphärenhandel und im Apothekenumfeld verankert. NaTrue ist der jüngere deutsche Standard und spricht Health- und Bio-Läden sowie den Reformhaus-Fachhandel an.
Für deutsche Einkäufer ist nicht die Frage nach dem Etikett entscheidend, sondern die Frage nach der Dokumentenkette. Ein Siegel ohne vollständige Rohstoffliste, ohne Chargenrückverfolgung und ohne Aktualisierungsnachweis wird im Einkaufsgespräch oft unmittelbar abgelehnt. Das ist der eigentliche Grund, warum diese beiden Standards in Deutschland eine harte Schwelle bilden.
Frankreich und der Süden Europas: ECOCERT und COSMOS
In Frankreich und im Süden Europas ist ECOCERT die dominierende Adresse. Der Standardsatz COSMOS Organic ist dort der Referenzrahmen für Bio-Kosmetik, und die Kombination aus beiden wird von den meisten französischen Marken als Vollständigkeit verstanden.
In Deutschland ist derselbe Standard weniger präsent. Wer ein Produkt ausschließlich für den deutschen Markt denkt, prüft eher auf BDIH oder NaTrue – und muss beim Verkauf nach Frankreich ergänzend auf ECOCERT oder COSMOS umschulen. Diese Arbeit gehört in die Produktentwicklung, nicht erst in das Etikett.
Das Wort Bio: AGEC-Gesetz und seine Grenzen
Der Begriff Bio ist in Frankreich geschützt und nicht mit einem Zertifikat gleichzusetzen. Das AGEC-Gesetz verengt die Nutzung weiter, und die zuständigen Etikettierungsvorschriften verlangen eine enge Bindung zwischen dem Hinweis und dem zertifizierten Gehalt des Produkts.
Für Marken aus Deutschland folgt daraus eine einfache Regel: Bio ist nur mit Nachweis zulässig, und der Nachweis muss zum Inhalt passen, nicht zum Image. Der häufigste Fehler ist die Annahme, ein Siegel auf der Verpackung genüge als Begründung für das Wort.
- Biobasierte Anteile belegen: Nur ein tatsächlich zertifizierter Anteil rechtfertigt den Hinweis.
- Herkunft der Rohstoffe dokumentieren, weil Herkunft und Verarbeitung Teil der Prüfung sind.
- Prüfbericht und Zertifikat mit aktueller Ring- oder Integrationsnummer vorlegen.
- Kein Biosiegel auf Produkten, die tierische Inhaltsstoffe oder Derivateunverträglichkeiten betreffen.
Großbritannien, Korea und der Rest der Welt
Abseits der beiden Kernmärkte ändert sich die Logik schnell. Die folgende Übersicht ordnet ein, welche Anforderung in welchem Markt erwartet wird.
Für ein Werk in der Auftragsfertigung ist das die aufwendigste Stelle jeder Markterschließung, weil jede Zertifizierung eigene Nachweise verlangt. Wer mehrere Märkte parallel bedient, sollte die Prüfungen deshalb nicht nacheinander aufsetzen, sondern gemeinsam planen.
- Vereinigtes Königreich: eigenständige Kosmetik-Verordnung nach dem Brexit mit SCPN-Meldung und einer britischen verantwortlichen Person; EU-Siegel allein genügen nicht.
- Korea: Vegan-Zertifizierungen durch Stellen wie die Vegan Society Korea, die von den Medien und den H&B-Ketten beim Einkauf häufig abgefragt werden.
- Indonesien: BPOM-Halal nach dem BPJPH-System als Einlassvoraussetzung im Detailhandel.
- Golfstaaten: Halal-Anforderungen der GCC- und der SASO-Regelungen für Kosmetikimporte.
- Russland und die EAEU: Anforderungen der EAEU-Konformität plus eine starke Präferenz des pharmazeutischen Fachhandels für zertifizierte Marken.
Welches Siegel passt zu Ihrer Zielgruppe?
Die Auswahl folgt der verfolgten Vertriebsstrategie, nicht der Preisgestaltung. Prüfen Sie zuerst, wo das Produkt landen soll, und wählen Sie dann das Siegel, das dieser Kanal verlangt.
Bedenken Sie, dass ein Siegel Bestand hat und ein Etikett Wechsel hat. Ein Produkt, das zwei Jahre auf dem deutschen Markt steht, ohne nach Frankreich zu gehen, trägt ein teures Zertifikat, das sich nicht amortisiert hat.
- Deutscher Apotheken- und Drogerie-Einkauf: BDIH oder NaTrue als erste Wahl, Ergänzung um COSMOS für den Export.
- Deutscher Biosphären- und Reformhaushandel: BDIH mit vollständiger Rohstoffdokumentation.
- Französische Apotheken und das südliche Europa: ECOCERT beziehungsweise COSMOS Organic mit Bio-Nachweis im Sinne des AGEC-Gesetzes.
- Asiatischer H&B-Einzelhandel: Vegan-Zertifizierung, ergänzt um die örtlichen Anforderungen.
- Mittlerer Osten und Indonesien: Halal-Zertifizierung nach BPJPH beziehungsweise den GCC- und SASO-Vorgaben.
Kosten, Prüfrhythmus und Mindestmengen
Eine Zertifizierung ist ein Laufzeitprojekt, kein einmaliger Antrag. Sie kostet Gebühren, sie verlangt Nachweise zu jedem Rohstoff und sie wird in Zyklen geprüft, die sich nach Standard und Vertragslauf unterscheiden. Das hat eine direkte Auswirkung auf die Produktion, weil zertifizierte Formulierungen weniger Spielraum bei der Substitution von Rohstoffen haben.
Ein weiterer Prüfpunkt in Deutschland ist die Abgrenzung zur konventionellen Kosmetik. Sobald ein Produkt überwiegend synthetische Rohstoffe enthält, fällt es aus dem Naturkosmetik-Frame und die Kommunikation darf nicht mehr auf zertifizierter Naturkosmetik beruhen.
- Mindestmengen liegen bei zertifizierter Naturkosmetik meist bei 1.500 bis 3.000 Einheiten, weil die Rohstoffauflagen in der Produktion mitlaufen.
- Rohstoffwechsel während der Laufzeit sind genehmigungspflichtig und verzögern eine Nachbestellung erheblich.
- Die Prüfkosten pro Artikel sind in der Kalkulation der ersten Charge separat zu berücksichtigen.
- Deutsche Einkäufer verlangen zusätzlich die konventionellen Nachweise: Verantwortliche Person, Produktinformationsdatei und CPNP-Meldung nach der Kosmetik-Verordnung (EC) Nr. 1223/2009.
Ein Siegel ist in Deutschland kein Verkaufsargument, sondern eine Einlassvoraussetzung. Es öffnet keine Türen, die ohne Dokumentenkette geschlossen bleiben.
Frequently Asked Questions
Das passende Siegel für Ihren Markt finden
Wir prüfen mit Ihnen, welches Zertifikat Ihr Zielkanal in Deutschland, Frankreich oder Korea verlangt – und welche Auswirkung das auf Rohstoffauflagen und Mindestmengen hat.
Beratung starten